|
Ein Ausschnitt aus |
Der Begriff Quality Function Deployment hat sich
trotz seiner Mehrdeutigkeit durchgesetzt. QFD kann sinngemäß übersetzt werden
als Instrument zur Planung und Entwicklung von Qualitätsfunktionen entsprechend
den vom Kunden geforderten Qualitätseigenschaften. Im gesamten Text wird das
Akronym QFD benutzt, das sich inzwischen in der Fachwelt etabliert hat.
Der militärische Begriff deployment beschreibt mit „Aufstellen
der Truppen" oder „in Stellung bringen" eine Seite des QFD, nämlich
das Zusammenführen aller am Gesamtprozeß der Produktentstehung beteiligten
Fachbereiche des Unternehmens zu gemeinsamer Arbeit. Deployment kann auch Aufgliederung und Untergliederung der
Qualitätsmerkmale bedeuten, in diesem Fall das „Aufdröseln“ der Qualitätsmerkmale,
wie sie der Kunde erlebt, über die dazu erforderliche Spezifikation bis hin zu
den Qualitätsmerkmalen der Entwicklung und Konstruktion, der Produktion, des
Kundendienstes, des Verkaufs, ja selbst bis in die Gestaltung der
Bedienungsanleitung. Die „Stimme des Kunden“ wird dabei in Qualitätsmerkmale
übertragen, d.h. in die Sprache des Unternehmens (bzw. bei technischen
Produkten in die Sprache des Ingenieurs).
In Verbindung mit Quality beleuchtet deployment die Zielrichtung des QFD: Qualitätsentwicklung von Anfang an bis zur Nutzung der Leistung
durch den Kunden.
Es geht darum, die Produkte oder
Dienstleistungen so zu definieren, zu entwickeln, zu konstruieren, zu
produzieren, zu liefern, zu installieren und bei Bedarf zu warten, daß die
Wünsche und Forderungen der Kunden voll erfüllt werden. QFD dient also der
Transformation der Kundenanforderungen in die unternehmensspezifischen
Fähigkeiten und der Mobilisierung aller Bereiche des Unternehmens zur
Erfüllung der Kundenwünsche. Es ist darauf zu achten, daß die „Stimme des
Kunden“ in die „Sprache des Lieferanten“ so übersetzt wird, daß der Sinngehalt
der Kundenstimmen nicht verfälscht wird.
Es gilt, die Stimmen der Kunden derartig in erfolgreiche Produkte und
Dienstleistungen umzusetzen, daß Mißerfolge und Verluste präventiv
ausgeschlossen werden können.
Q - Quality: Instrument zur Planung und
Entwicklung von Qualitätsfunktionen.
F - Function: Die Fachbereiche:
Qualitätsentwicklung durch Zusammenarbeit aller Bereiche und verantwortliche
Sicherung der Qualitätsmerkmale
D - Deployment: Die
„Truppen“ in Stellung bringen einerseits, und die Untergliederung der
geforderten Qualität in die abteilungsspezifischen Qualitätsbeiträge andererseits.

HIN SHITSU KI NO TEN KAI
Qualität Funktion Verteilung
Merkmale Mechanisierung Diffusion
Attribute Tätigkeit Entwicklung
Gütekennung Evolution
Bild 3: „Japanische Version von QFD“
Definition von Yoji Akao:
„QFD
ist die Planung und Entwicklung der Qualitätsfunktionen eines Produktes
entsprechend den von den Kunden geforderten Qualitätseigenschaften.“
Definition von ASI - American Supplier Institute:
„QFD
ist ein System, um Kundenforderungen in entsprechende firmenseitige
Erfordernisse zu übersetzen, für jede Phase der Entwicklung von der Forschung
über Produktentwicklung und Fertigung bis hin zu Marketing und Verkauf.“
Definition von FORD-EQUIP (1992)
„QFD
ist eine Planungstechnik, die dazu dient, die vom Kunden geforderten
Qualitätsmerkmale (d.h. Bedürfnisse, Wünsche, Erwartungen) in geeignete
Produkt- bzw. Dienstleistungsmerkmale zu übersetzen.“
Definition des
Steinbeis Transfer Zentrums (TQU), Ulm
„QFD ist ein System aufeinander abgestimmter
Planungs- und Kommunikationsprozesse mit dem Ziel, die Stimme der Kunden in
die Qualitätsmerkmale der Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen zu übersetzen
und einzuplanen, welche der Kunde erwartet und benötigt, und die dem
Wettbewerbsdruck standhalten.“
Definition der
Autorin:
QFD dient der Zusammenarbeit der Funktionsbereiche
bzw. der Prozesse der Unternehmen zur verlustfreien Transformation der Kundenforderungen
in marktführende Produkte und Dienstleistungen.
Die Ziele sind: Begeisterte Kunden, begeisterte
Mitarbeiter und begeisterte Aktionäre.
Wie man sieht, ist
der Interpretationsspielraum groß, wobei die Kundenzufriedenheit stets im
Mittelpunkt der Betrachtungen steht.
Das Q im Quality Function Deployment
signalisiert eine Zuordnung unter die Qualitätswerkzeuge. Da der eigentliche
Sinn von QFD aber darin besteht, Merkmale in Funktionen umzuwandeln, ist QFD in
erster Linie ein Planungswerkzeug in der Produkt- und Dienstleistungsentwicklung.
Daß es heute dennoch in den Qualitätsabteilungen angesiedelt ist, liegt an
der bereichsübergreifenden Tätigkeit dieser Abteilungen, denn auch QFD
arbeitet über die Bereiche hinweg und fördert die sinnvollen und notwendigen
Aktivitäten zur Sicherung hoher Kundenzufriedenheit.
QFD bietet somit ein
Planungsinstrumentarium zur durchgängigen Entwicklung attraktiver und
kundenorientierter Leistungen.
Das Konzept des QFD wurde 1966 von Yoji Akao
erstmalig in der Bridgestone Kurume Factory in Japan eingesetzt. Bei Matsushita
gab es 1969 Konzeptüberlegungen und 1972 gelang der erste Durchbruch des QFD
auf den Schiffswerften der Mitsubishi
Heavy Industries in Kobe, Japan. Die Werften erhielten damals einen
Regierungsauftrag zum Bau von
Kriegsschiffen.
Im Jahre 1974 begann Toyota mit der Anwendung und
erfolgreichen Weiterentwicklung von QFD im Automobilbau. Das Ergebnis dieser
Arbeiten ist auch als „Rost-Studie“ bekannt. Toyota konnte bei der Entwicklung
von Kleintransportern die Anlaufkosten ganz erheblich reduzieren. Die erste
QFD-Entwicklung führte zu einer 20%igen Anlaufkostenreduzierung, beim zweiten
Modell wurden bereits 38% Einsparungen erzielt und bei der dritten Serie 61%.
Die Anzahl der Änderungen ging um 50% zurück.
Das in den USA sehr beliebte und erfolgreiche
PKW-Modell „Lexus“ ist eine spätere QFD-Entwicklung von Toyota (vgl. Kapitel
2.3.4.10).
1978 erschien Akaos Buch „Quality Function Deployment“
[2] in Japan. 1980 erhielt die Firma Kayaba (Bau von Einkaufszentren, Schwimmhallen,
U-Bahnhöfen, Wohnhäusern) den Demingpreis für eine Weiterentwicklung von QFD.
1983 machte Akao QFD in den USA (Chicago) bekannt.
In der frühen Hälfte der 80er Jahre begann in den USA die Firma Ford Motor Company (Don Clausing) mit
der Anwendung der Verfahren. Das aus diesen Anfängen hervorgegangene American Supplier Institute ASI [3]
beschrieb QFD unter dem Titel House of
Quality (HoQ) mit leichten Veränderungen der Schwerpunkte.
Die amerikanischen Firmen Kodak, Hewlett Packard AG
und Digital Equipment setzten die QFD-Methode ab Mitte der 80er Jahre für ihre
Entwicklungsprozesse ein.
Ishikawa und JUSE (Japanese Union of Scientists
and Engineers) schulten QFD 1983 bei Ford Motors & Co. Die Firma Ford führte QFD einige Jahre später
weltweit ein, ASI trainierte auch die deutschen Mitarbeiter.
Ford benutzte QFD für Neuentwicklungen und
Produktverbesserungen, z.B. „bessere Schaltbarkeit des Getriebes.“
Der Ford „Mondeo“ ist ein QFD-Produkt. Die Ei-Form
entspricht offenbar dem Zeitgeschmack der neunziger Jahre, denn auch das
„Mazda“-Ei ist eine QFD-Entwicklung.
Der Amerikaner Don Clausing [4] vermittelte bei
XEROX im Jahre 1984 die QFD-Technik. Seine QFD-Publikation in der Harvard Business Review aus dem
Jahre 1988 über die Autotür geistert noch heute durch die hiesigen QFD-Abhandlungen und wird als „aktuelles“
QFD-Beispiel immer wieder gern zitiert.
Bob King, ein
Schüler Akaos, stellte 1987 QFD in seinem Werk Better Design in half the Time [5] anwendungsbezogen als
„Kochbuch-Ansatz" vor, der den japanischen „Puzzle-Ansatz" überwinden
helfen soll. Er schränkt als QFD-Praktiker den Begriff „Kochbuch" aber ein,
da es kein allgemeingültiges Rezept zum Vorgehen nach QFD geben kann, denn
jede Firma muß ihren eigenen Zugang zu QFD finden. Hierzu bietet Bob King ein
nützliches „Tool Kit“ an.
Die dreißigjährige
QFD-„Geschichte“ wird in der folgenden Abbildung zusammengefaßt:

Bild 4: QFD-Ursprung und Verbreitung
In Deutschland wurde QFD etwa in der zweiten
Hälfte der 80er Jahre bekannt. Das Steinbeis-Transferzentrum Qualitätssicherung
Ulm [6] hat sich, auch in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Management
und Technologie, für seine Verbreitung in den deutschsprachigen Ländern
eingesetzt und 1993 das erste und bisher einzige QFD-Symposium in Sindelfingen
[7] durchgeführt. Yoji Akao und Bob King waren Teilnehmer dieses Symposiums.
In den USA hingegen wurde 1996 bereits das
achte QFD-Symposium mit ca. 300 Wissenschaftlern und Firmenvertretern aus den
USA, Kanada, Japan, Korea, Taiwan, Australien, Schweden, Italien, Israel und
Deutschland durchgeführt.
In Deutschland gibt es seit 1996 ein „QFD
Institut Deutschland“ (QFD-ID), das sich mit der Verbreitung von QFD im deutschsprachigen
Raum befassen will [9] .
QFD steht nicht als Begriff für eine einzelne
Methode, sondern setzt sich wie eine Dienstleistung aus drei Komponenten
zusammen: dem Produkt, dem Prozeß und dem Ergebnis.
· QFD als Produkt beschreibt das methodische Vorgehen anhand eines Leitfadens.
· Der QFD-Prozeß wird vom Projektteam nach diesem
Leitfaden ausgestaltet.
· Das Ergebnis des QFD-Prozesses ist der
vollständige Qualitätsplan.
QFD ist als
Arbeitsphilosophie und Arbeitsstil zu verstehen, der die volle
Kundenzufriedenheit anstrebt und das Wissen und Können aller Mitarbeiter in die
Strategien und Maßnahmen zu dieser Zielerreichung einzubinden versucht. QFD
bietet hierzu ein Paket von Vorgehensempfehlungen, deren Ziel die exakte
Ermittlung der Kundenanforderungen an das Produkt und an die Dienstleistung
ist, um sicherzustellen, daß das Endprodukt genau dem Kundenwunsch entspricht.
Dadurch werden Fehlentwicklungen vermieden und am Ende des QFD-Prozesses steht
das Ziel jeder unternehmerischen Tätigkeit: Kunden zu gewinnen und
zufriedenzustellen sowie dadurch einen angemessenen Gewinn zu erwirtschaften.
Im weitesten Sinn
ist QFD ein Instrument der Unternehmensplanung zur Potenzierung der
Fähigkeiten aller im Unternehmen Tätigen. QFD hilft, betriebsinterne Mauern
niederzureißen und das abteilungsbezogene Denken durch Denken in Prozessen zu
ersetzen. Durch die Beseitigung der innerbetrieblichen Schranken wird die
Umsetzung der Total-Quality-Management-Philosophie (siehe Kap. 1.4, Bild 5)
ermöglicht. QFD wird bei firmenweiter Anwendung zum Kommunikations- und
Informationsinstrument zur Überwindung des häufig beklagten Defizits an
Information und Zusammenarbeit in den Unternehmen.
Durch QFD können in
kürzerer Zeit durch weniger Änderungen und gute Dokumentation marktfähige
Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden.
Die Hauptziele von
QFD sind:
Erfolg
für die Kunden,
Erfolg
für die Mitarbeiter,
Erfolg für den Unternehmer
Die Unterziele, die
dazu verfolgt werden, sind:
·
Eine kundenbezogene Entwicklung, um begeisterte Kunden durch absolute
Kundenorientierung zu erreichen.
·
Die Intensivierung der Zusammenarbeit im Unternehmen, um die
Mitarbeiter zum Mitdenken und Handeln zu motivieren;
·
eine offene Kommunikation und Information;
·
abgestimmte, klare und meßbare Ziele, sowie Verlustreduzierung in der
gesamten Prozeßkette durch präventive Planung der Produkte und Dienstleistungen
·
Verkürzung der Entwicklungs- und Umsetzungszeiten (Time to market-TTM);
·
eine gut nachvollziehbare und verständliche Dokumentation, die dann
auch für spätere Produktverbesserungen einsetzbar ist. Durch die übersichtliche
Darstellung der komplexen Zusammenhänge kann das Auge jederzeit über die
„QFD-Landkarte“ wandern;
·
die Konzentration von Expertenwissen;
·
ein durchgängiges Qualitätsmanagement (TQM), sowie die im Team
abgestimmte Qualitätsentwicklung.
QFD baut auf der
Philosophie und den Methoden und Strategien des TQM auf, dies ist der Nährboden
für QFD. Ist TQM als Voraussetzung für die Anwendung von QFD überhaupt nicht
oder in nicht befriedigendem Umfang gegeben, so sollte das QFD-Team eine Einführung
in die TQM-Ziele erhalten. Ein Unternehmen, in dem der Qualitätsgedanke nur
rudimentär praktiziert wird, würde bei der Einführung von QFD vermutlich
scheitern. Wenn Qualität ein wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie
ist, wird die Anwendung von QFD zu einem praktizierten TQM führen.
QFD kann ein TQM
unterstützen, aber nicht eine Bewußtseinsänderung herbeiführen, wenn nicht
zumindest ein Ansatz zum Paradigmenwechsel vorhanden ist.

Bild 5: Die 7 Segmente des TQM und der Reifegrad des Unternehmens
Die wesentlichen
Elemente des TQM werden in Bild 5 dargestellt. Unternehmen verfolgen auf der
Basis ihrer Firmengrundsätze die sieben Strategien (Segmente) in ihrem Geschäft
mit aller Konsequenz. QFD unterstützt alle Elemente im vorstehenden
TQM-Kreis, insbesondere die drei ersten Elemente,
Kunden im Zentrum, Mitarbeitereinbindung, Planung.
Durch die Arbeit mit
QFD im „House of Quality“ werden Schwachstellen sichtbar, die mit
Qualitätswerkzeugen (Ursache-Wirkungsdiagramm u.a.) weiterbearbeitet werden
können. QFD kann daher als integraler
Baustein oder Bestandteil des TQM bezeichnet werden.
Das Grundprinzip
guter Planungs- und Verbesserungsprozesse beginnt mit der Formulierung eines Zieles,
zu dem geeignete Strategien und zu diesen wiederum geeignete Maßnahmen
(„taktische Schritte“) zu erarbeiten sind. Das Netzwerk aller Maßnahmen soll
das Erreichen der Strategie sicherstellen und diese müssen wiederum zum Ziel
führen. Dieses Prinzip gilt sowohl für jedes große Vorhaben (z.B. Start einer
Weltraumrakete), als auch für persönliche Ziele (Hausbau).
Genau dies ist auch
die Vorgehensweise bei QFD: Zu dem gesetzten Ziel (QFD: Was) werden die
Strategien planerisch mit allen Details der Einzelschritte (Unterfunktionen)
beschrieben. Dies gelingt um so besser, je klarer die einzelnen Funktionen bei
QFD die Wie’s - mit ihren charakteristischen Zielwerten beschrieben werden.
Die folgende Abbildung verdeutlicht diesen Zusammenhang.

Die Maßnahmen müssen die Strategien, und die Strategien
müssen das Ziel erfüllen
Bild 6: Das QFD-Planungsprinzip SPP - Strukturierter Planungsproz. „Hoshin Kanri“
Der Begriff des
„Deployment“ in QFD zeigt hier das „Aufdröseln“ eines Ziels in seine Strategien
(Unterziele) bis hin zu der Entwicklung notwendiger Einzelmaßnahmen. Man
bezeichnet dieses Vorgehen auch als strukturierten Planungsprozeß (SPP) oder
Hoshin Kanri.
Hoshin Kanri
bedeutet im japanischen goldener Kompaß, dies symbolisiert die Vorgehensweise,
wie sie im folgenden Bild dargestellt ist. Alle Kompaßnadeln zeigen in die
gleiche Richtung, durch horizontale und vertikale Abstimmung weiß jeder im
Unternehmen, welche Ziele verfolgt werden und welches sein Beitrag zur
Erfüllung dieses Zieles ist.

Bild 7: Die Ausrichtung auf das Ziel, Hoshin Kanri und QFD
QFD unterstützt
durch geordnete Fragestellung den Bearbeitungsprozeß und ermöglicht eine gute
bildhafte Darstellung der Ergebnisse auf einem Arbeitsblatt (siehe QFD-Matrix:
Bild 79).
Zusammenfassend kann
festgestellt werden: QFD ist ein mehrstufiger Planungsprozeß, der die Kunden
und alle Prozesse des Lieferanten in die Planung einbezieht. QFD stellt einen
Planungsleitfaden zur durchgängigen Qualitätsentwicklung dar.
„Alles fließt." Auf diese kurze Formel hat Heraklit die Einsicht gebracht, daß
das einzig Beständige der Wandel ist. Diese griechische Erkenntnis war in
Europa über lange Jahrhunderte verpönt, nichts durfte sich bewegen. So ist es
nicht verwunderlich, wenn wir die ständigen Veränderungen als beklagenswert
empfinden und unter dem Eindruck „nichts ist so beständig wie der Wandel"
leiden [10] . Nur wer den ständigen Wandel in seiner Kultur bewußt akzeptiert
und daraus intelligente Handlungen ableitet, hat Chancen als Sieger im Wettbewerb
zu überleben. Dem Streben asiatischer Industrien, die Chancen des Wandels zu
nutzen, fielen in nur zwei Jahrzehnten im Westen ganze Industriezweige zum
Opfer (Fotoindustrie, Videogeräte, Fernseher, Fax-Geräte, Computer,
Unterhaltungselektronik,
etc.).
Um trotz unserer
Kultur Verbesserungen zu erreichen, sind Methoden und Arbeitsweisen
erforderlich, die über die traditionelle Qualitätssicherung westlicher
Denkart hinausgehen. Präventive Planungsverfahren wie z.B. Fehler-
Möglichkeits- und Einflußanalyse (FMEA, siehe Kapitel 6) und Planungsmethoden
wie QFD haben sich hier als vorteilhaft erwiesen.
Wir, in der
westlichen Welt, fordern und produzieren als Ausweg laufend neue Gesetze und
Verfahrensregeln - und stöhnen unter deren Joch - anstatt unsere Einstellung
und unser Verhalten zu ändern. Wir fragen allzu leicht: Was will die „Oberste
Leitung“? (ISO 9000) anstatt zu fragen: Was wollen die Kunden, was ist ihnen
wichtig und wie lösen wir die Aufgabe gemeinsam?

Bild 8: Einstellungen Westen - Osten
Sprachregelungen
beeinflussen das Denken und Verhalten - und umgekehrt. Der Begriff „Oberste
Leitung" aus der DIN ISO 9000 ist ein Beispiel hierfür (August 1994
geändert in „Leitung“). TQM und QFD überwinden das von der ISO 9000 oftmals
geprägte „Kästchendenken“ nach alter „Tayloristenart“. Die damit verbundenen
Einstellungen und Verfahrensregeln können leicht zu einem kundenunfreundlichem
Verhalten führen.
QFD als
Qualitätsentwicklungssystem fragt nach den Kundeninteressen und bindet das
Management in den Prozeß des Kundendienstes im weitesten Sinne ein.
Bild 9: Die hierarchische Organisation
Die übliche
Darstellung der Organisationspyramiden ist für die Mitarbeiter ein deutliches
Signal zur Anpassung ihres Verhaltens: Der Vorstand thront auf dem Gipfel, ihm
ist zu dienen. Diese Pyramiden zeigen nicht, auf wen es ankommt: die Kunden.
Das Sprichwort „Der
Kunde ist König“ liegt uns als Kunden stets auf der Zunge. Allerdings werden
häufig die daraus abzuleitenden Verhaltens- und Umgangsformen über Bord
geworfen. Kunden werden meistens als störend und lästig empfunden, weil sie
nicht bereit sind, sich den Prozeduren des Lieferanten zu unterwerfen. Die
Arroganz mancher Organisationen feiert Triumphe; das Erstaunen ist groß und die
Folgen bitter, wenn die Kunden ihre Macht zeigen und einfach wegbleiben.
Die nach TQM
arbeitende Organisation zeigt die Pyramide umgedreht. Das allerwichtigste
Element steht hier obenan: Der Kunde. Alle leben vom Kunden, nur er
entscheidet, ob er die Rechnung bezahlt und ob er uns auch weiterhin als
Lieferant berücksichtigt. Firmen, die dies erkennen und praktizieren, sind
erfolgreicher als andere.
Bild 10: Die kundenorientierte Aufbauorganisation nach Tom Peters
Als
John Young, bis 1992 Firmenpräsident der Hewlett Packard AG, nach dem
Erfolgsgeheimnis seiner Firma befragt wurde, antwortete er: „Satisfying
customers is the only reason we’re in business.“ Der Erfolg gab ihm Recht.
Unternehmen können
heute nur dann überleben, wenn sie sich durch absolute Kundenorientierung
auszeichnen. Kundenorientierung und Dienst am Kunden sind in Deutschland
lange Jahre vernachlässigt worden. Die daraus resultierenden Folgen sind
bekannt.
Das Wort „dienen“
ist in unserem Sprachgebrauch leider immer noch sehr negativ belegt, man denkt
dabei an Dienstmädchen und an den Dienstmann, also an Personen, die die
„niederen Dienste“ verrichten. Daß sich Friedrich der Große als „erster Diener
seines Volkes“ verstand, ist heute wahrscheinlich nur noch wenigen bekannt.
Die Firma Mercedes
Benz führte im August 1993, als sich der Konzern in der Krise befand, ein
Managementtraining mit der Bezeichnung „Werkstatt des Wandels“ durch. Der
Vorstand wollte die Umsetzung des „Mercedes Benz - Erfolgsprogramms“ fördern
und begleiten. Wichtig war insbesondere die Förderung der mentalen Neuorientierung
im Unternehmen mit dem Ziel, eine Verhaltensänderung zum Dienen zu erreichen.
Der Mercedes-Manager
Erich Krampe beschwor die anwesenden Manager, Dienen nicht als Ausdruck der
Unterwürfigkeit zu sehen, sondern den Dienst am Kunden als oberstes Gebot zu
erkennen. „Eine kompromißlose Kundenorientierung ist erforderlich“, so Krampe.
Er erinnerte daran, daß im Wappen des Prince of Wales die Worte stehen: „I serve“.
Mercedes Benz
unterstützte das „MB-Erfolgsprogramm“ auch durch Merkzettel, die an die
Mitarbeiter verteilt und an Plakatwänden im Unternehmen veröffentlicht wurden.
Der Merkzettel 1
enthält folgenden einprägsamen Text:
„Wenn wir die Wünsche der Kunden nicht
mehr ernst nehmen,
werden die Kunden uns nicht mehr ernst nehmen.“
Wie
wahr! Denn Kunden, die unsere Waren und Dienstleistungen kaufen, entscheiden,
ob sie in Zukunft weiterhin Geschäfte mit uns tätigen oder zur Konkurrenz
wechseln. Dies verdeutlicht Mercedes Benz mit dem treffend formulierten
Merkzettel 2:
„Unzufriedene Mercedes-Fahrer kann man
überall finden.
Bei BMW, bei Jaguar, bei Audi, ....“
Aus
einer Untersuchung des Research Institute of America ist bekannt, daß ein Kunde
mit 8-16 anderen über seine Unzufriedenheit spricht, aber nur mit ca. 3
anderen über seine Zufriedenheit. Der daraus entstehende Multiplikationseffekt
ist enorm hoch, und der entstandene Schaden kann auch nicht durch noch so
aufwendige Werbekampagnen und Marketingmätzchen wettgemacht werden.
Wenn
der Kunde hingegen, auch auf eine Reklamation hin, voll zufriedengestellt wird,
kauft er in Zukunft wieder beim gleichen Unternehmen, hierin liegt für alle
Firmen eine große Chance.

Bild 11: Kundenverluste - Unzufriedenheitsmultiplikatoren
Die
Unternehmen sollten erkennen, daß sich die meisten Kunden eine langfristige
Zusammenarbeit mit ihrem Lieferanten wünschen. Deshalb ist es wichtig, die
Erwartungen der Kunden zu kennen und zu erfüllen. Die „Stimme des Kunden“ muß
von allen Mitarbeitern des Lieferanten gehört werden.
Unternehmen,
in denen die Philosophie des TQM gelebt wird, werden alle Maßnahmen ergreifen,
um ihre Kunden zufriedenzustellen und zu begeistern.
Die Anwendungsfelder für QFD sind vielfältig. QFD ist ein Planungsleitfaden, der in der Produktion, im Dienstleistungsbereich (siehe das Beispiel im Kapitel 3.2), in allen administrativen Bereichen und im privaten Umfeld eingesetzt werden kann. Die Anwendungsfelder sind in Bild 12 verkürzt dargestellt:

Bild 12: Anwendungsfelder für QFD
Die
QFD-Anwendungsgebiete sind vielfältig.
QFD wird darüber
hinaus eingesetzt:
· bei der
Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen und bei der Überarbeitung
vorhandener Produkte und Dienstleistungen.
· bei der
Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen von der Konzeptionsphase bis
zur Produktionsplanungsphase.
· in allen Branchen,
vom Schiffsbau über das Transportwesen, der Bauindustrie, dem Maschinenbau, der
Touristik, der Versicherungsbranche bis hin zum Gesundheitswesen mit seinen
Einrichtungen.
· beim Aufbau eines
wirksamen QM-Systems.
· bei der Planung und
Bearbeitung von Geschäftsprozessen
· in der Politik und
der öffentlichen Verwaltung mit Staatsdienstleistungen aller Art, hier liegen
heute noch ungeahnte Ressourcen begraben.
Wir können QFD heute
als „Werkzeugkasten" zur Beseitigung der vielfältigen Probleme und zur
Gestaltung der Zukunft nutzen, wenn wir die Werkzeuge permanent schärfen und
sie kreativ für die vor uns stehenden Aufgaben weiterentwickeln.
QFD kann überall
dort eingesetzt werden, wo Menschen an der Erfüllung von Zielen für externe
oder auch interne Kunden arbeiten. QFD bietet hier eine nützliche
Unterstützung. Denn neben den drei Grundproblemfeldern aller Firmen oder
Organisationen,
- attraktive
Leistungen (Qualität)
- im richtigen
Moment (Zeit)
- zu einem fairen Preis (Kosten, Verluste) anbieten und liefern zu
können, wird die vierte Dimension,
- der Mensch, als Dreh- und Angelpunkt
im QFD-Geschehens ernst genommen und aktiv beteiligt. Die Abb. 13 zeigt, im
Mittelpunkt des magischen Dreiecks aus Kosten- Zeit-Qualität die Einbindung der
Menschen (Kunden, Mitarbeiter, Management) im Unternehmen.

Bild 13: Die vier Chancenfelder, der Mensch im Mittelpunkt
Der Grad der Verbreitung von QFD ist nicht genau
bekannt, da die meisten QFD-Projekte der Geheimhaltung unterliegen und in den
Panzerschränken der Unternehmen verschwinden. Aus dem gleichen Grunde
erscheinen kaum Veröffentlichungen in der Fachpresse zu konkreten Projekten.
Einige Anwender seien hier genannt:
QFD-Anwender in
Deutschland (Auszug)
· Agfa,
München
· Behr Automobiltechnik GmbH & Co., Stuttgart, Automobilzulieferer (Motorkühl- und Klimaanlagen, Kondensatoren/Verdampfer)
· Black & Decker, Idstein, Bohrmaschinen
· Boehringer in Mannheim, im Bereich Medizintechnik (Blutanalysegeräte )
· Bosch, Stuttgart, Autozubehörteile
· Du Pont, Bad Homburg
· 3M Deutschland GmbH, Neuss, Babywindeln; QFD wird auch als Analysewerkzeug für Kennzahlen eingesetzt
· Flachglas AG (Pilkington), Gelsenkirchen, Glasherstellung
· Ford, Köln, PKW-Entwicklung (Mondeo), Getriebeverbesserungen
· Grundig Home Security Systems GmbH, funkgesteuertes Einbruchmeldesystem
· Hewlett Packard GmbH, Böblingen - im Bereich Medizintechnik, Dienstleistungen, Voltmeter, Leuchtdioden, u.a.
· Kodak, Stuttgart, Fotokopierer
· MAN Roland, Offenbach, Konstruktion neuer Bogen-Druckmaschinen
· Mercedes Benz in Berlin, bei der Planung von Geschäftsprozessen
·
Mercedes Benz im Werk Sindelfingen in der
Automobilentwicklung (z.B. Sidebag der
E-Klasse in der Türinnenverkleidung und Getriebe)
· METABO, Nürtingen, Hersteller von Elektrowerkzeugen für die Industrie und den Heimwerker, setzt bei der Neuentwicklung und Produktverbesserung QFD ein.
· SAP, Softwareentwicklung
· Siemens in München, auch zur Planung von Geschäftsprozessen
· Siemens-Nixdorf, Berlin, elektronische Registrierkassen
· SWF Auto-Electric, Bietigheim, Automobilzulieferteile
· tesa-Beiersdorf AG, Hamburg, Etiketten
· Telenorma GmbH, Bosch Telecom, Sicherheits- und Zeitsysteme
· Union Special GmbH, Stuttgart, Industrienähmaschinen, Muttergesellschaft ist JUKI Corporation, Tokio (Textilmaschinen, Sackmaschine für die Verpackungsindustrie)
· VW Braunschweig, Fahrkomponenten
· VW Wolfsburg und Kassel, Viergangautomatikgetriebe (QFD-Pilotprojekt ), umweltgerechte Produktplanung (ökologische Ziele in der Produktions-, Nutzungs- und Entsorgungsphase, Mobilität und ressourcenschonende Energiequellen, Umwelt, Verkehr)
·
XEROX Deutschland, Fotokopierer
Im folgenden Kapitel sind Erfahrungsberichte
von QFD-Anwendern wiedergegeben.
Die Firma
Black & Decker, die QFD seit Ende der 80er Jahre für die Entwicklung neuer
Produkte einsetzt, nannte auf dem QFD-Symposium in Sindelfingen 1993 folgende
Gründe für die Einführung von QFD:
1. Der Hauptzweck ist
es, die Kundenerwartungen an das Produkt sicher zu erfüllen.
2. QFD hilft aus
verbalen Kundenwünschen eine klare technische Spezifikation zu erstellen.
3. Mit QFD wird in
allen beteiligten Bereichen (Marketing, Arbeitsvorbereitung (AV), QS,
Entwicklung, Konstruktion, etc.) ein sehr detailliertes Produktwissen aufgebaut.
4. Mit QFD wird die
betriebliche Zusammenarbeit gefördert, da die Matrix gemeinsam von den
verschiedenen Abteilungen bearbeitet wird.
5. QFD ist nützlich, um
Entwicklungszeiten zu verkürzen, da der spätere Änderungsaufwand reduziert
wird, und es hilft, sich auf wesentliche Punkte zu konzentrieren.
6. Mit QFD werden
Fehlentwicklungen, die am Markt vorbei gehen, sicher vermieden.
7. Mit QFD werden die
Produktkosten und Investitionen auf das notwendige Maß reduziert.
8. Mit QFD wird eine
richtig durchgeführte Produkt- und Konkurrenzanalyse unterstützt.
9. Durch die
systematische Anwendung von QFD entstehen Checklisten für die
Konstruktionsabteilung.
Lt. G.
Sieber „wird QFD bei Black & Decker nicht um seiner selbst willen angewendet,
sondern als Entwicklungswerkzeug aufgefaßt. Die QFD-Systematik ist ein
natürlicher Prozeß, da die Matrix „nur“ die Denkvorgänge der
Projektteam-Mitglieder systematisiert und dokumentiert“. [7]
Die
Volkswagen AG, Wolfsburg führte QFD Anfang der 80er Jahre ein. Die damalige
Aufgabe war nach dem VW-Mitarbeiter Ludwig Prüß [8] die Entwicklung der
Getriebesteuerung des 4-Gang-Automatikgetriebes (AG-4). Mit dem Entschluß, QFD
einzuführen, waren bei VW drei Hauptziele verbunden, nämlich Funktionsziele, mitarbeiterbezogene
Ziele und ein Globalziel.
Diese
sind im einzelnen:
1.
Funktionsziele:
· optimale
Funktionserfüllung nach den Erfordernissen des Marktes und der Zielgruppen;
· Reduzierung von
Schwachstellen und Mängeln;
· Erhöhung der
Kundenzufriedenheit
· Vermeidung von
Over-Engineering;
· weniger Änderungen
bei Serienanlauf.
2.
Mitarbeiterbezogene Ziele:
· verstärkte
Kundenorientierung während des Entwicklungsprozesses;
· bereichsübergreifende,
interdisziplinäre und streng zielorientierte Projektarbeit;
· erlernen der
Vorgehenssystematik von QFD durch „Training on the Job.“
3.
Globalziel:
· Akzeptanz für die
Methode QFD schaffen.
„Das
Ergebnis der QFD-Arbeit war eine Vorstandsvorlage, deren hohe
Argumentationssicherheit zu einem schnellen Beschluß führte“, so Ludwig Prüß.
Das Resultat der Umsetzung des QFD-Projektes bestätigte die Akzeptanz der
Innovation im PKW-Antrieb durch die Kunden. Nach der Umsetzung ist die
Einstufung der Kunden für VW-Automatikgetriebefahrzeuge im Bereich der
Marktführerschaft angezeigt. Das innerbetriebliche Resultat bestand darin,
daß angesichts des komplexen Produktes die Schnittstellenproblematik (Maschinenbau-,
Elektrik-, Elektronikkomponenten) durch den QFD-Leitgedanken erkannt
wurde. Nach 3-4 Teamsitzungen entstand bereits eine konstruktive Arbeitsatmosphäre.
Die Dominanz der Techniker konnte auf das Erkennen und Akzeptieren der
Kundenwünsche gelenkt werden. Prüß zufolge hat sich die Methode QFD in diesem
Projekt bewährt und wird für Neukonstruktionen empfohlen. Seit Anfang 1993
findet sich das erste QFD-Resultat als erfolgreiches Antriebskonzept in
Fahrzeugen des VW-Konzerns wieder. Hier konnte erstmals das Prinzip einer
Gruppenschaltung realisiert werden. Das synchrone Ansprechen und Abschalten
von zwei Schaltgliedern ohne Zugkraftunterbrechung zum Zweck eines
Gangwechsels war das entscheidende Merkmal. Es bedeutete, daß diesem kritischen
Getriebekonzept der entscheidende Durchbruch für einen höchsten Schaltkomfort
und somit eine der bedeutendsten Erfüllungen marktgerechter Anforderungen
gelungen war.
Auch
andere Firmen zeigten die Vorteile von QFD auf, 3M in Neuss nennt folgende
QFD-Vorteile [7] :
· Konzentration auf
für den Kunden wichtige Produkte;
· Arbeit an den
wichtigsten Eigenschaften des Produktes;
· weniger Designänderungen
und besseres Design für den Kunden;
· Reduzierung der
Einführungskosten;
· reduzierte
Garantiekosten;
· Förderung der
Sozialstruktur im Team.
Trotz der
positiven Ergebnisse gab es auch Probleme. So setzte sich QFD im Unternehmen
nur langsam durch. Es mußten immer wieder Diskussionen geführt werden, um die
Widerstände abzubauen, wie: „Die Probleme bleiben, aber immer neue Methoden
erschweren und verzögern die Arbeit.“ Oder: „Wer andere Seminare besucht,
kommt mit neuen Heilslehren nach Hause.“
Als Nachteile nannten einige Unternehmen:
· einen höherer
Zeitaufwand, wenn das erstes Projekt zu komplex ist;
· Schwierigkeiten bei
der Ermittlung von zukunftsorientierten Kundenwünschen, weil Unsicherheit bei
der Ermittlung und der Datenerfassung bestand;
· es konnten keine
geschulten Leute für das Projekt abgestellt werden;
· die
Teamzusammensetzung war nicht immer ideal, es fehlte die soziale Kompetenz;
· die Teamdisziplin
litt bei häufigem Wechsel des Projektleiters (Leaders) oder durch mangelhafte
Moderation;
· das Abteilungsdenken
überdeckte den erforderlichen Teamgeist;
· es fehlte an der
Unterstützung durch das Management.
Die genannten
„Nachteile“ sind unschwer als hergebrachte Firmenprobleme zu erkennen, die in keinem
Zusammenhang mit QFD stehen. Sie wurden bewußt, als sich die Firmen erstmals
mit QFD beschäftigten. Betriebliche „Systemprobleme“ dürfen nicht die QFD-
Vorteile überdecken.
Zeitliche Aspekte im QFD-Prozeß
Die
Erkenntnis Heraklits, daß alles fließt, können wir ergänzen, denn der Wandel
hat sich heute so beschleunigt, daß zwar alles
fließt, nur viel schneller.
Durch
eine Befragung untersuchte das Fraunhofer Instituts FhG-IAO in Stuttgart
Möglichkeiten zur Verkürzung von Entwicklungszeiten. Folgende Maßnahmen sind in
der Reihenfolge zu den erforderlichen Ursachen genannt worden:
68,4 %
frühes Einbinden der Abteilungen
52,9 %
Projektmanagement
46,3 %
intensive Planung
39,0 %
Pragmatismus statt Over-Engineering
27,9 %
gute Kommunikation
26,5 %
Parallelisierung des Konstruktionsprozesses
QFD
bindet alle am Entwicklungsprozeß Beteiligten von Anfang an in die Planung ein,
dadurch können die vorstehend genannten Forderungen vollständig erfüllt werden.
Da die einzelnen Projektphasen simultan ablaufen, wird die Entwicklungszeit
minimiert. Die konsequente Erfassung des Kundenwunsches vermeidet
Over-Engineering, der Kunde erhält in kurzer Zeit das von ihm gewünschte
Produkt bzw. die gewünschte Dienstleistung.
Die
ständige Veränderung des Umfeldes, die Globalisierung der Märkte und
konjunkturelle Einflüsse zwingen Unternehmen zur schnellen Anpassung ihrer
Arbeitsweise an die Forderungen des Marktes. Insbesondere in High-Tech-Märkten
mit stetiger Verkürzung der Produktlebenszyklen gewinnt eine schnelle
Realisierung komplexer Technologieentwicklung an Bedeutung.
Das alte
Sprichwort: “Übung macht den Meister“ gilt auch für QFD-Projekte in Bezug auf
die Qualität der Ergebnisse und den zeitlichen Aufwand. Der zeitliche Aufwand
sinkt von 100% für das erste QFD-Projekt auf etwa 50% für die spätere Arbeit
nach QFD. Der absolute Zeitaufwand ist abhängig von der Anzahl der zu
bearbeitenden Kundenforderungen und den zu untersuchenden Merkmalen. Für das
erste Projekt sollten deshalb 20 Kundenanforderungen nicht überschritten
werden. Der Lerneffekt und die Nutzung der Daten aus vorhergehenden Projekten
reduzieren den Aufwand bei regelmäßiger Anwendung ganz erheblich.
Durch die Diskussion im QFD-Team, wie in Bild 14
dargestellt, wird das Ziel: die Umsetzung des angestrebten Ergebnisses
schneller erreicht.
Bild 14: Zeitliche Aspekte: Entscheidungen im Team
Der
zeitliche Aufwand für die Sammlung von Ideen und Fakten ist anfangs höher, aber
wenn die Entscheidungen gefallen sind, weiß jeder im Team, was zu tun ist. Die
Umsetzungsphase wird dann wesentlich verkürzt und das angestrebte Ziel
schneller erreicht. Wenn hingegen, wie im linken Bildteil dargestellt, eine
schnelle Entscheidung ohne ausreichende Diskussion erzwungen wird, wird das
Ziel verfehlt. Die bekannten Folgen sind Unzufriedenheit und Frustration. Dies
kann vermieden werden, wenn das Team nach konstruktiver Diskussion eine
gemeinsame Entscheidung fällt, die von allen akzeptiert wird. Bei einem Konsens
über das weitere Vorgehen kann dann die zügige Umsetzung erfolgen.
Bild 15
zeigt einen weiteren zeitlichen Aspekt, den der schnellen Markteinführung
durch präventive Planung und höhere Investitionen zum Beginn der Entwicklung.
Wird in der Anfangsphase mehr investiert, so sind nach der Produktentwicklung
zum Zeitpunkt der Markteinführung (To) die
Kosten für Verluste und Nachbesserungen sehr gering, das Unternehmen
kann schneller Geld verdienen und erreicht einen zeitlichen Vorsprung.

Bild 15: Die Vorteile kreativer und präventiver Planung
Der japanischen
Industrie gelang durch diese präventive Planung und frühzeitige Investition
eine erhebliche Verkürzung der Entwicklungszeiten Sie erreichten dies
insbesondere durch das frühe Erfassen der Kundenbedürfnisse, die sie in die
gewünschten Produkte hineinentwickelten. So läßt sich eine hohe Akzeptanz
erreichen und es gibt weniger Fehlentwicklungen. Dabei stellt die
QFD-Systematik sicher, daß jede Aktivität im Hinblick auf ihren Nutzen und
mögliche Folgen durchdacht ist und so geplant wird, daß keine Überraschungen
auftreten.
Die folgenden
Beispiele zeigen die kurzen Entwicklungszeiten einiger Unternehmen, die durch
den Einsatz von QFD erreicht wurden.
Eine Hewlett Packard
Division in den USA benötigte für die Entwicklung eines neuen Voltmeters
400-500 Stunden für das gesamte Team. Das waren ca. 40-50 Stunden pro Teammitglied.
Die Grundig Security Home Systems GmbH
entwickelte in 18 Monaten ein funkgesteuertes Einbruchmeldesystem. Diese
Zeitangabe beinhaltet die Kundenbefragung (Polizei, Sicherheitsdienste,
Händler), die Verdichtung der Befragungsergebnisse und einen zweitägigen
Workshop für alle Teilnehmer zur Einführung in die Methodik des Vorgehens [6] .
Metabo in Nürtingen
benötigte für die Entwicklung einer neuen Heckenschere inklusive
Kundenbefragung nur 4-5 Monate.
Die Firma Ford, die
ihre Entwicklungszeit von 52 auf 48 Monate (angestrebt sind 30 Monate)
reduzieren konnte, erreichte gleichzeitig eine Zeitersparnis um 40% und eine
Kostenreduzierung von 30% pro Applikation. Der Einspareffekt tritt hier erst
später auf, da der generische Ansatz ein erhöhtes Maß an Zeit beansprucht.
Zwei negative
Beispiele:
Ford benötigte
Anfang der 80er Jahre 2.500 Ingenieurstunden für das QFD-Training und die
Einführung in allen Fachabteilungen. Diese abschreckende Zahl ist kein Maßstab,
denn das QFD-Training wurde auf Anordnung der amerikanischen Konzernzentrale in
englisch durchgeführt, was anfangs einige Probleme mit sich brachte. Die
Ford-Mitarbeiter beherrschen die englische Sprache, aber die eindeutige
Übersetzung der „Stimme des deutschen
Kunden“ erwies sich als schwierig.
Bei General Motors
arbeiteten dreißig Ingenieure ein halbes Jahr lang an einem
QFD-Entwicklungsprojekt. Die Ingenieure fanden zu 100 Anforderungen 200
Designcharakteristika, so daß im House of Quality eine Matrix mit 100 x 200 =
20.000 Matrixpunkten bearbeitet werden mußte. Hier ließ sich Bob Kings Titel
„Better design in half the time“ negieren in „Better design in double the
time.“
Man sollte immer
bedenken, daß nur die wichtigsten Anforderungen, d.h. die mit der höchsten
Bedeutung für den Kunden, geplant
werden sollten, denn der starke Wettbewerb forciert kürzere Produktlebenszyklen
und zwingt die Unternehmen eine schnelle Produktverfügbarkeit durchzusetzen.
Hinter den oft
zitierten „neudeutschen“ Worten Time to market (TTM), Time compression
verbergen sich die Bemühungen der Industrie, die Entwicklungszeiten zu
beschleunigen. Schnelle Reaktionen auf die Forderungen des Marktes sind
ebenso wichtig für die Absatzfähigkeit eines Produktes wie das richtige Preis/Leistungsverhältnis.
Je schneller neue Produkte auf den Markt kommen, um so größer ist der damit
erzielbare Verkaufserfolg. Der erste Anbieter, der dem Kunden den
Nutzen aufzeigen
kann, ist solange im Vorteil bis die anderen nachziehen. Der Chairman von 3M,
L.D. De Simone, sagte zur Beschleunigung in der Entwicklung: „Time compression
zusammen mit besten Erfahrungen multinationaler Teams und Quality Function
Deployment könnten möglicherweise bestimmen, ob 3M ein führendes Unternehmen
bleibt oder in die Durchschnittlichkeit abfällt.“
Die 1989 unter dem
Titel „Die zweite Revolution in der Autoindustrie“ erschienene MIT-Studie von
Womack, Roos und Jones [11] ließ die Industrienationen aufhorchen. Die schlanke
Produktion sahen die Experten des Massachusetts Institute of Technology als die
japanische Geheimwaffe im Wirtschaftskrieg an. Die Japaner zeigten, daß sie ein
Auto in 16 Stunden herstellen können, während europäische und amerikanische
Firmen zum damaligen Zeitpunkt noch 32 Stunden benötigten. Die MIT-Autoren
stellten fest, daß die japanischen Produzenten so erfolgreich sind, weil sie
sehr darauf achten, ihre fortgeschrittene Technologie nicht von der
Tagesarbeit des Unternehmens und den bestehenden Marktbedürfnissen zu
isolieren. Sie haben erkannt, daß Entwicklungen in die marktorientierten
Aktivitäten des Unternehmens eingebunden sein müssen, um Erfolg zu haben;
dieses ist auch das Ziel von QFD.
Eine 1995 von PRMT
[12] bei 210 High-Tech-Unternehmen unterschiedlicher Branchen durchgeführte
Studie „Produktentwicklung“ belegte, daß neue Produkte von den Unternehmen
immer schneller zur Marktreife und Markteinführung gebracht werden. Time to
market wurde zwischen 1992-95 durchschnittlich um 10% reduziert. Bis 1998
wollen die befragten Unternehmen diese Zeit um weitere 21% senken. Brian
Gribbs, Direktor von PRTM sagt dazu: „Die herausragende Stellung in der
Entwicklung konnte nur durch die Arbeit funktionsübergreifender Kernteams, gut
dokumentierter Entwicklungspläne und umfassend genutzter Entwicklungstechniken
erreicht werden.“
Zu den
Entwicklungstechniken, die dies ermöglichen, gehört QFD.
QFD entwickelte sich vor dreißig Jahren
in Japan, es gelangte in den 80er Jahren in die USA und beginnt sich seit den
90er Jahren auch in deutschen Unternehmen durchzusetzen. Die Unternehmen, die
QFD inzwischen einsetzen sind von den Vorteilen überzeugt. Sie erkennen, daß
QFD vom Geist und der gemeinsamen Arbeitskultur seiner Anwender lebt und daß
QFD die Kommunikation im Unternehmen fördert, da fachsprachliche Barrieren
abgebaut und Mißverständnisse beseitigt werden. QFD setzt einen
gruppendynamischen Prozeß in Gang, bei dem viel Kreativität freigesetzt, Wissen
potenziert und fachübergreifendes Denken erreicht wird. QFD fördert das
Verständnis der Mitarbeiter für das gemeinsame Projekt, überbrückt
Abteilungsmauern und überwindet damit den bisherigen „over the wall approach.“
Das Ziel von QFD ist die Einbeziehung der
Kundenforderungen in die Entwicklungsphase, dadurch werden aufwendige
Änderungen und Korrekturen vermieden. Dies minimiert nicht nur die
Anlaufkosten sondern reduziert auch die Entwicklungszeit durch die
Parallelisierung der Abläufe, d.h. die gesamte Wertschöpfungskette wird
optimiert.
Die
übersichtliche Darstellung der QFD-Arbeitsergebnisse im House of Quality (HoQ),
das im nächsten Kapitel vorgestellt wird, ermöglicht dem Auge jederzeit über
die QFD-„Landkarte“ zu schweifen und aufgrund der transparenten Dokumentation
Verbesserungen zu erkennen.
Unternehmen,
die ihre Kunden in die Entwicklung der Produkte und Dienstleistungen
einbeziehen, werden erfolgreich sein, denn volle Kundenorientierung läßt keine
Fehlentwicklungen zu. Es wird ein Vertrauensverhältnis zum Kunden aufgebaut,
das durch Kundenbindung und durch Kundentreue honoriert wird. Zusammenfassend
kann festgestellt werden:
QFDschafft eine gemeinsames
Verständnis für das Ziel des Unternehmens,
QFD kann schnell erlernt werden und es
verhindert
Mehrfacharbeiten.
QFDhilft die Marktchancen zu
nutzen, weil neue Produkte und
Dienstleistungen
in kürzester Zeit zur Verfügung stehen.
[1]Matsushita, Konsuke, Zitat aus der Technischen Rundschau, April 1990, Seite 38
[2]Akao, Yoji: QFD, Quality Function Deployment, Wie die Japaner Kunden wünsche in Qualität umsetzen: Moderne Industrie, Japan Service, Landsberg, 1992
[3]ASI: Quality Function Deployment, Three Day Workshop Version 3.1, American Supplier Institute, Inc., Dearborn, Michigan, 1989
[4]Clausing, Don (MIT) and John R. Hauser (MIT), The House of Quality“ in Harvard Business Review, Mai/Juni 1988
[5]King, Bob, Better Designs In Half the Time, Goal/QPC, Methuen MA, USA 1989, Deutsche Übersetzung: Doppelt so schnell wie die Konkurrenz: gfmt - Verlagsgesellschaft, München, 1994
[6]Steinbeis Transfer Zentrum Ulm, README.TQU, Informationsheft des Steinbeiss Transfer Zentrums TQU, Ulm
[7]G. Sieber, Tagungsunterlagen zum 1. QFD-Symposium, Gfmt - Gesellschaft für Management und Technologie, München, 7/1993.
[8]Ludwig Prüß, Tagungsunterlagen zum 1. QFD-Symposium, Gfmt - Gesellschaft für Management und Technologie, München, 7/1993.
[9]QFD-ID, QFD Institut Deutschland, Pohligstraße 1, 50969 Köln-Zollstock
[10]Saatweber, Jürgen in: Masing, Walter (Hrsg.): Handbuch Qualitätsmanagement, 3. Aufl., Carl Hanser Verlag, München/Wien 1994
[11]Womack, James P., Jones, Daniel T., Roos, Daniel, Die zweite Revolution in der Autoindustrie: Campus, Frankfurt/New York, 1992
[12]PRMT in Produktion Nr. 16, 18.4.1996, Seite 6